LAG Hamm: Praktikantenstelle mit 1728 Stunden rechtfertigt allein keinen Arbeitslohn

Das Landesarbeitsgericht Hamm (LAG) hatte einen Fall zu entscheiden, bei dem über einen Zeitraum von über 8 Monaten eine Praktikantin in einem Supermarkt, die unstreitig auch allgemeine Arbeitsaufgaben übernahm, keine Vergütung verlangen kann. Dies selbst dann nicht, wenn insgesamt 1728 Stunden und 15 Minuten „gearbeitet“ wurden. Die Besonderheit bestand dabei darin, dass die Praktikantin Zuschüsse über die Bundesagentur für Arbeit erhielt und auch Zuschüsse von einem Bildungszentrum. Damit ging das LAG Hamm von einem Praktikumsvertrag aus, auf den eben nicht die Regelungen über Arbeitsverhältnisse anwendbar sein. Die Vergütungsklage der Praktikantin wurde daher in zweiter Instanz abgewiesen. Diese Entscheidung zeigt, wie sehr arbeitsrechtliche Entscheidungen zum Teil von dahinter stehenden Wertungsansprüchen geprägt werden und wie stark immer auf den Einzelfall abzustellen ist. Es kann hier nicht einfach geschlussfolgert werden, dass die Bezeichnung als Praktikant von Lohnzahlungspflichten befreit. Vielmehr muss bei der Praktikumsvereinbarung tatsächlich dies gelebt werden, eben dadurch, dass die Ausbildung und nicht die Arbeitsleistung im Vordergrund steht. Sollten Sie Fragen hierzu haben, sprechen Sie uns an.